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Unbedingt reinschauen Sorben / Wenden Bräuche - Teil 5 (Erntebräuche)

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Erntebräuche
Hahnschlagen
Hahnrupfen
Stollenreiten
 

Kokot
Die Sommerbräuche bei den Sorben/Wenden in der Niederlausitz ranken sich besonders um das Ende der Ernte. Die Getreideernte war die wichtigste Periode im Jahreskreis des Bauern.
Eine gute Ernte entschied nicht nur über den Wohlstand der besitzenden Bauern, sondern auch, ob die ärmeren Leute im Dorf genug zu essen hatten.
Unsere Vorfahren glaubten an Geister der Fruchtbarkeit und der Vegetation in der Gestalt eines Tieres.
Dem Hahn, sorbisch "kokot", sprachen sie Kräfte zu, die Ernte zu beeinflussen. War die Ernte beendet, versteckte sich der Hahn unter der letzten Garbe, um neue Kraft für die nächste Ernte zu sammeln, denn die Vegetationsperiode war vorüber. Diese Garbe wurde von den Schnittern mit bunten Blumen und Bändern ausgeschmückt und dabei wurde gerufen: "Źins jo kokot- heut ist kokot", was soviel bedeutete, dass an diesem Tag die Ernte abgeschlossen war.
Die Männer bekamen Sträuße aus Ähren angesteckt. Die Mädchen wunden Erntekränze und auch eine große Erntekrone, womit sie das Ende der Getreideernte bekannt gaben. Danach wurde ausgelassen gefeiert; getrunken, gesungen und getanzt.

Hahnschlagen - Zabijanje kokota
Die älteste Form der sommerlichen Spiele um den Hahn ist das Hahnschlagen. Dieser Brauch wird nur noch in wenigen Dörfern der Niederlausitz z.B. in Schmogrow gepflegt.
Der lebendige Hahn sitzt meist in einer kleinen Grube, die mit Brettern zugedeckt ist. Auf diesen steht ein umgestülpter Topf, nach dem die Burschen mit verbundenen Augen mit einem Dreschflegel schlagen müssen.
Wer nach dreimaligem Schlagen den Topf als erster Nach Beendigung der Ernte begann man oft gleich mit dem Dreschen des Getreides. Die Schnitter nahmen einen Hahn mit auf das Feld, ließen ihn laufen und fingen ihn wieder ein, um ihn dann mit dem Dreschflegel "totzuschlagen".
Bis zum 17.Jh. wurde der Hahn noch getötet, heute geschieht das aber nur noch symbolisch.
getroffen hat, wird König. Er hat dann das Recht, mit ebenfalls verbundenen Augen aus dem sich im Kreise um ihn herum drehenden Mädchen, die ihre festliche Tanztracht tragen, eine Königin zu greifen. Anschließend lassen die Jungen den Hahn frei, um ihn dann wieder einzufangen. Er wird versteigert und landet sicherlich im Suppentopf.

Hahnrupfen - £apanje kokota
Das Hahnrupfen ist der am weitesten verbreitete Erntebrauch in der Niederlausitz. Auf einem geeigneten Platz im Dorf wird aus Balken eine mit grünem Laub umwundene Pforte aufgestellt, und am Querbalken wird an den Füßen, mit dem Kopf nach unten hängend, ein toter Hahn angebunden.
Die Burschen durchreiten auf Pferden nacheinander die Pforte und versuchen, dem toten Hahn den Kopf abzureißen. Wem das gelingt, der wird als erster König, sorbisch "kral", geehrt und gefeiert.
Die Burschen, die anschließend die Flügel des Hahnes beim Durchreiten erhaschen, gelten als 2. und 3. König. Die 3 Sieger erhalten große Siegerkränze aus Eichenlaub. Auch hier wählen sich die Erntekönige aus dem Kreis der Mädchen mit verbundenen Augen ihre Partnerinnen aus, um mit ihnen die Ehrenrunde zu tanzen.
Auch Ernteköniginnen werden ermittelt. Sie beweisen ihre Geschicklichkeit beim Froschkarren oder mancherorts auch beim Junggesellenkarren oder Eierlaufen.
Zum Abschluß geht es im festlichen Zug zum Tanz ins Gasthaus.
Voran wird die mit bunten Bändern geschmückte Erntekrone getragen.

Stollenreiten- Rejtowanje wo kołac
Ein Brauch ganz anderer Art ist das Stollenreiten. Nur noch in Neu Zauche, am Nordrand des Spreewaldes, wird es in der traditionellen Form durchgeführt.
Bis in die Mitte des vorigen Jh. war es ein zu Pfingsten gepflegter Brauch und auch ein Teil des Hochzeitszeremoniells, wo die unverheirateten Gäste an einem Wettreiten nach einem großen Kuchen oder Stollen teilnahmen.

Heute als Erntebrauch, im Monat August gepflegt, beginnt das Fest am Vormittag mit einem Gottesdienst der Dorfjugend, auch wenn viele Jugendliche nicht mehr der Kirche angehören. Die Mädchen tragen die Kirchgangstracht, die in Anlehnung an das frühere Hochzeitszeremoniell der Brautjungferntracht entspricht und bei der zum Bandrock und besticktem Halstuch die bunte Seidenschürze getragen wird. Bevor es am Nachmittag zum eigentlichen Stollenreiten auf den Reitplatz geht, werden die Preise für die Sieger präsentiert, für die Burschen wie für die Mädchen je drei unterschiedlich große mit Blumen und Spargelkraut geschmückte Stollen. Die Burschen reiten in weißen Leinenhosen und Hemden auf ungesattelten Pferden um die Wette und ermitteln so den schnellsten Reiter.
Die Mädchen haben ihre Seidenschürzen gegen die weiße Spitzenschürzen getauscht und ermitteln beim Topfschlagen ihre Besten. Die jeweils drei Erstplazierten erhalten dann die begehrten Stollen. Der Letzte erhält als Trostpreis einen Tabaksbeutel.
Auch hier klingt das Fest mit einem Tanzabend aus.


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Vielen Dank der Sorbischen Kulturinformation LODKA, Frau Doreen Hufnagel und Frau Milena Stock, für die Bereitstellung dieses Beitrages. Hier erfahren Sie mehr über die Sorbische Kulturinformation LODKA
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Stand:03.03.2010
 
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