Die Sorben - Serby


sind das kleinste slawische Volk. Sie sind Nachfahren jener slawischen Stämme, die im Zuge der Völkerwanderung vor mehr als 1400 Jahren das Land zwischen Oder und Elbe/Saale, zwischen Ostsee und den deutschen Mittelgebirgen besiedelten.
Nach dem Verlust der politischen Selbstständigkeit im 10. Jahrhundert verringerte sich ihr Siedlungsgebiet durch Assimilation und durch eine zielgerichtete Germanisierung.
Lediglich den Nachkommen der oberlausitzischen Milzener und der niederlausitzischen Lusizer ist es gelungen, bis in die Gegenwart ihre sorbische/wendische Sprache und Kultur zu erhalten. Die Sorben/Wenden haben kein Muttervolk in den angrenzenden Staaten.

Das sorbische Siedlungsgebiet - sedleński rum


ist seit 1000 Jahren ständig geschrumpft. Die wachsende Dominanz deutscher Sprache und Kultur in allen Lebensbereichen, häufig noch verstärkt durch Unterdrückung des Sorbischen/Wendischen in Kirche, Schule und Öffentlichkeit, führte zum Verlust sorbischer Sprache und Kultur.

Die sorbische/wendische Sprache - serbska rěc


hat sich viele Besonderheiten des Altslawischen bewahrt. Nach der Reformation entstanden mehrere schriftsprachliche Formen des Sorbischen auf unterschiedlicher dialektaler Basis.
Bis zur Mitte des 19. Jh konnten sich davon endgültig zwei Sprachen durchsetzen: Die obersorbische Schriftsprache auf der Grundlage des um Bautzen gesprochenen Dialektes als verbindliche Norm im sorbischsprachigen öffentlichen Verkehr in der Oberlausitz und in der Niederlausitz das Niedersorbische auf der Basis des Cottbuser Dialektes. Im Grenzgebiet des Ober- und Niedersorbischen ist ein Übergangsdialekt entstanden, der Elemente beider Sprachen in sich vereint.

Sorben oder Wenden


sind gleichwertige Begriffe. Als "Veneti" bezeichneten schon römische Geschichtsschreiber alle ihnen im einzelnen nicht bekannten slawischen Stämme, die seit der Völkerwanderung in Mittel- und Ostdeutschland sowie in der Alpenländern (heutiges Österreich) siedelten. Jahrhundertelang wurde der Name "Wenden" oder "Winden" im deutschen Sprachgebrauch angewandt. Die Bezeichnung "Sorben" ist vom sorbischsprachigen Eigennamen "Serbja" und "Serby" abgeleitet.
Die Delegierten der 1. Hauptversammlung des DOMOWINA-Regionalverbandes Niederlausitz entschieden sich am 31.05.1991 für die deutsche Bezeichnung Sorben/Wenden.

Die sorbische Kultur - serbska kultura


begann sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts als bürgerliche Kultur zu entfalten. Durch die Jungsorbische Bewegung kam ein eigenständiges Nationalbewußtsein zum Durchbruch, die sorbische nationale Wiedergeburt.
Wie kaum ein anderes Volk vergleichbarer Größe vollbrachten die Sorben ( ca. 60 000 ) beachtliche Leistungen in Kunst, Kultur und Wissenschaft.

Das Trachtengebiet - serbske drastwy


in der sorbischen Lausitz bildet die größte geschlossene Trachtenregion in Deutschland. Von ehemals 10 Trachtenvarianten sind heute noch 4 in den Regionen um Bautzen, Schleife, Hoyerswerda und Cottbus lebendig. Hier gehört die Tracht noch zum täglichen Erscheinungsbild, vor allem bei der älteren Generation. Viele Frauen und Mädchen besitzen die farbenfrohe Festtagstracht, die sie zu besonderen Anlässen tragen.
In jüngster Zeit entstehen vielerorts Trachtenvereine. Die Nationaltrachten bilden als Ausdruck materieller Volkskultur einen wichtigen Identitätsfaktor der Sorben/Wenden.

Die sorbischen Bräuche - serbske nałogi


sind wie viele slawische Bräuche heidnischen Ursprungs und werden in abgewandelter Form noch heute mit großer Beliebtheit gepflegt, wobei es territoriale Unterschiede gibt. Viele Sitten und Bräuche gruppieren sich um christliche Hauptfeste (zu Weihnachten und Ostern) oder ordnen sich in den Ablauf des bäuerlichen Arbeitsjahres ein.
Weit verbreitet sind Winter und- Frühlingsbräuche wie die Vogelhochzeit, wendische Fastnacht, Osterfeuer und Hexenbrennen, Maibaumaufstellen und-werfen, oder Erntebräuche wie das Hahnrupfen, Hahnschlagen, Stoppelreiten und Kranzstechen. Die jungen Mädchen tragen zu diesen Anlässen oftmals ihre Festtracht.

Die Konfession der Sorben/Wenden - serbska konfesija


Die katholische sorbische Lausitz ist ein relativ geschlossener Raum zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda. In diesem Dreieck leben in neun Pfarrgemeinden mehr als 15 000 sorbische Katholiken. Die tägliche Umgangssprache in Familien, Schulen, Kindergärten und im öffentlichen Leben ist überwiegend Sorbisch.
Evangelische Gemeinden, vorrangig in der Mittel und- Niederlauitz, mit einem überwiegenden Anteil von Sorben gibt es nicht mehr. Jedoch finden sich in nahezu allen Parochien sorbischsprachige Gemeindemitglieder, die seit Ende der 80er Jahre wieder die Möglichkeit haben, an wendischen Gottesdiensten teilzunehmen. Nicht alle Sorben sind konfessionsgebunden.

DOMOWINA - Bund Lausitzer Sorben e.V. - Zwezk Łuěyskich Serbow z.t.


wurde am 13. Oktober 1912 als Dachverband sorbischer Vereine in Hoyerswerda gegründet. Sie wurde 1937 von Nationalsozialisten verboten, nach dem 2.Weltkrieg neu gegründet und mit der Wende umstrukturiert und erneuert.
Ihr Ziel ist es heute, die demokratischen nationalen Interessen aller Sorben/Wenden im Freistaat Sachsen, im Land Brandenburg und außerhalb der Lausitz zu vertreten, die sorbische/wendische Sprache und Kultur zu pflegen und zu entwickeln.
Der Bundesvorstand der DOMOWINA wird demokratisch gewählt und repräsentiert alle Schichten und Interessengruppen des sorbischen/wendischen Volkes.

Die Stiftung für das sorbische Volk - załožba za serbski lud


wurde am 19. Oktober 1991 in Lohsa bei Hoyerswerda durch den Freistaat Sachsen, das Land Brandenburg sowie den Bund als nicht rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts errichtet.
Damit war die materielle Basis für die institutionelle Förderung wichtiger sorbischer Einrichtungen sowie zur Förderung von Projekten und Einzelmaßnahmen zur Bewahrung und Fortentwicklung der sorbischen Sprache und Kultur geschaffen worden.
Ab dem 01.01.1999 erhielt die Stiftung mit Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen Sachsen und Brandenburg den Status einer rechtsfähigen Stiftung des öffentlichen Rechts.

WITAJ-Sprachzentrum - Rěcny centum-WITAJ


wurde am 01.01.2001 in Bautzen gegründet. Hauptaufgabe ist die Revitalisierung der sorbischen/wendischen Sprache ab dem Kleinkindalter mit dem Ziel, die Sprache als Kommunikationsmittel zu erhalten und zu fördern.
Der 1990 gegründete Sorbische Schulverein e.V. begann bereits 1998 mit dem Aufbau von WITAJ-Kindertagesstätten und - gruppen in der Lausitz, in denen die sorbische/wendische Sprache durch Immersion vermittelt wird.
Das WITAJ-Sprachzentrum führt diese Initiativen fort, bildet ErzieherInnen in Sprachkursen aus und erarbeitet sorbische Schulbücher und zusätzliche Arbeitsmaterialien für das WITAJ-Projekt und den Sorbischunterricht in den Schulen. Die Palette an Sprachprojekten reicht von der Erarbeitung von Computerlernspielen bis zu Veranstaltungen mit Jugendlichen und Familien.


Vielen Dank der Sorbischen Kulturinformation LODKA, Frau Doreen Hufnagel, für die Bereitstellung dieses Beitrages. Hier erfahren Sie mehr über die Sorbische Kulturinformation LODKA


[letzte Aktualisierung: 14.11.2014]
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